Wein verschenken: Der ehrliche Guide
Wein zählt zu den beliebtesten Mitbringseln überhaupt – gerade zur Weihnachts- und Silvesterzeit. Bevor Sie zur nächsten Flasche greifen, lohnt sich aber ein ehrlicher Zwischenschritt: Ist Wein für diese Person, diesen Anlass und diese Situation überhaupt die richtige Wahl? Wenn Sie bereits wissen, welcher Wein gut ankommt, finden Sie konkrete Auswahlhilfen in unserem Ratgeber Wein verschenken – so treffen Sie den Geschmack. Dieser Artikel setzt einen Schritt davor an.
Wann Wein als Geschenk eher nicht passt
Nicht jede Person freut sich über Alkohol als Geschenk, auch wenn die Geste gut gemeint ist. Menschen, die aus gesundheitlichen, religiösen oder persönlichen Gründen keinen Alkohol trinken, in Schwangerschaft oder in Genesung von einer Suchterkrankung sind, sollten Sie nicht mit einer Flasche Wein überraschen. Kennen Sie die Lebenssituation der beschenkten Person nicht genau, ist eine neutrale Alternative die sicherere und respektvollere Wahl.
Auch im beruflichen Umfeld lohnt sich Zurückhaltung. Nicht jede Unternehmenskultur sieht Alkoholgeschenke als angemessen an, und bei Kolleginnen oder Kollegen, die Sie kaum kennen, ist ein Wein-Geschenk schnell unpassend. Wählen Sie hier im Zweifel eine geschmacklich neutralere Aufmerksamkeit oder fragen Sie diskret nach den Vorlieben.
Volljährigkeit ist keine Formsache
Alkohol darf ausschließlich an Personen ab 18 Jahren weitergegeben werden – auch als Geschenk. Das gilt ebenso, wenn eine Flasche Wein „für die ganze Familie" oder „für die WG" gedacht ist: Verschenken Sie gezielt an eine erwachsene Person, nicht pauschal an eine Gruppe, in der sich möglicherweise Minderjährige befinden.
Wenn Sie sich für Wein entscheiden: so bleibt es angemessen
Haben Sie sich bewusst für Wein als Geschenk entschieden, achten Sie auf einen respektvollen Rahmen. Vermeiden Sie Anspielungen auf übermäßigen Konsum, etwa scherzhafte Botschaften rund ums „Trinken bis zum Umfallen". Eine hochwertige, in Maßen gedachte Flasche oder ein kleines Probierpaket wirkt wertschätzender als eine Menge, die zum schnellen Konsum einlädt.
Bei gemischten Runden oder Familienfeiern ist es zudem eine gute Geste, von vornherein an alkoholfreie Gäste zu denken – etwa indem Sie neben der Weinflasche eine hochwertige alkoholfreie Option ergänzen oder zumindest ansprechen, dass Alternativen vorhanden sind.
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Alternative: Entdecken statt trinken
Wenn Sie unsicher sind, ob die beschenkte Person überhaupt regelmäßig Wein trinkt, kann ein kleines Probierpaket eine ehrlichere Wahl sein als eine große Einzelflasche. Es signalisiert „zum Kennenlernen und Entdecken" statt „trinkt das bitte auf" und lässt der beschenkten Person die Freiheit, in ihrem eigenen Tempo zu probieren – oder auch nur eine einzelne Flasche zu öffnen und den Rest weiterzuverschenken.
So bleibt der Fokus auf Genuss und Geschmack, nicht auf Menge. Das passt besonders gut, wenn Sie die Trinkgewohnheiten der beschenkten Person nicht genau kennen oder wenn der Anlass eher beiläufig ist, etwa ein Dankeschön statt ein großer Geburtstag.
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Anlässe, bei denen besondere Rücksicht gefragt ist
Zu Weihnachten und Silvester kommen häufig mehrere Generationen und unterschiedliche Lebenssituationen an einem Tisch zusammen. Genau hier lohnt sich vorab kurz zu überlegen, wer überhaupt zur beschenkten Gruppe gehört. Eine Flasche „für die Familie" trifft womöglich auch schwangere Angehörige, minderjährige Teilnehmer eines Familienfests oder Menschen, die bewusst auf Alkohol verzichten.
Praktischer ist es, Wein gezielt an eine einzelne erwachsene Person zu adressieren, die selbst entscheidet, ob und wann sie die Flasche öffnet und mit wem sie sie teilt. So bleibt die Verantwortung dort, wo sie hingehört, und das Geschenk wird nicht ungewollt zur Aufforderung an eine ganze Runde.
Auch das Thema Autofahren gehört zu einer ehrlichen Betrachtung dazu: Wer eine Flasche Wein direkt vor der Heimfahrt überreicht, sollte nicht implizit erwarten, dass sie noch am selben Abend geöffnet wird. Ein Hinweis wie „für ein ruhiges Wochenende" nimmt hier unausgesprochenen Druck aus der Geste.